No Praise, No Blame. Just so.

Vor einigen Jahren, nach einer schwierigen Trennung, war ich völlig am Boden zerstört. Ich fühlte mich völlig allein gelassen. Meine Ursprungsfamilie wollte nichts mehr von mir wissen, weil ich mich für einen Schamanen entschieden habe. Dieser wiederum wollte oder konnte sein bisheriges Familiensystem nicht verlassen. Und ich saß da mit einem Kleinkind, weil ich damals mehr auf den anderen hörte, als mir selber zu vertrauen.

Wie auch immer, völlig am Boden, traf ich auf einen Schamanen, der mir spontan anbot zur Heilung zu seinem heiligen Ort in Panama zu kommen. Also flogen Paul und ich um die halbe Welt um dort Heilung zu finden,um wieder zu mir zu kommen und um mich auszuruhen. 

Da ich nicht das ganze Geld dafür aufbringen konnte, bekam ich das Angebot, dass ich dort in der Küche aushelfen könnte als Ausgleich für Kost und Logis. Ich nahm es dankend an, nicht wissend, dass die Arbeit fast den ganzen Tag in Anspruch nehmen würde. Ich war oft völlig geschafft wegen der vielen Arbeit, fühlte mich eigentlich eher wie ein kleines Kind und musste mich nebenher auch noch um meinen kleinen Sohn kümmern, der damals 2 Jahre alt war und dementsprechend Aufmerksamkeit brauchte. 

Es kam so, dass ich – obwohl mein Selbstwertgefühl damals so klein war wie eine Babyameise – für die ganze Gruppe kochen sollte. Dies stellte mich in meiner damaligen Verfassung auf eine fast unlösliche Aufgabe. Wünschte ich mir doch eigentlich nichts sehnlicher, als bemuttert zu werden. Eine Schulter zum Anlehnen. Einen Ort wo ich mich sicher fühlen und ausruhen konnte.

Wie auch immer, ich schaffte die mir gestellte Aufgabe. Gott weiß wie. Und bekam prompt beim Abendessen vor versammelter Mannschaft von eben diesem Schamanen ein großes Lob. Es freute mich. Das erste nette Wort, dass ich seit Monaten zu hören bekam. Es war wie Balsam auf meine Wunden! 

Bereits ein, zwei Tage später war die Situation dann so, dass ich völlig niedergemacht wurde. Auch vor versammelter Mannschaft. Von derselben Person. Ich hätte mich um etwas kümmern sollen, für das ich mich nicht zuständig gefühlt hatte. Und ich stand da. Völlig perplex. Was geschieht denn da? War sprachlos. Völlig vor den Kopf gestoßen.

Am nächsten Tag ging ich zu dem Schamanen hin und fragte, warum er das gemacht hatte. Seine kurze Antwort war nur: „No Praise – No Blame. Just so.“ Und damit schickte er mich wieder zurück an die Arbeit.

Dieses teaching war ein sehr wichtiges und wertvolles für mich. Auch wenn ich damals außer mir vor Zorn und Wut war, so konnte ich dann doch erkennen was damit gemeint war.

Aus aktuellem Anlass, kam es mir in der vergangenen Woche wieder in den Sinn und möchte gerne folgendes teilen: So lange es jemanden oder etwas in mir gibt, das Lob braucht, nach Anerkennung sucht, Bestätigung will, bin ich abhängig von den Meinungen, dem Lob, der Bestätigung durch andere. Und so lange ist auch es möglich, dass mich Vorwürfe und Beschuldigungen treffen können. Dabei geht es „nur“ um Bewusstwerdung. Darum, den/die/das zu finden, der noch immer danach sucht, dem es immer noch wichtig und damit immer noch in der Polarität gefangen ist. Wenn das erfasst und erkannt wurde, wenn dann nach innen geschaut wurde, dann liegt der Unterschied vor allem in der Reaktion. Du kannst einen kühlen Kopf bewahren. Kannst klar erkennen und sehen. In dir. Und die Reaktion auf Lob bzw. Vorwurf ist dann eine ganz andere. Es entsteht eine gewissen Ruhe, eine Gelassenheit und Gleichgültigkeit. Auch fast schon emotionslos. Und trotzdem voller Liebe und Dankbarkeit.

Die „Gefahr“ dabei ist – und da sprech ich aus eigener Erfahrung – dass man sich einen Panzer zulegt und meint unberührbar zu sein. Nichts kann einen dann mehr treffen. Doch darum geht es dabei ganz und gar nicht. Dabei bleibt das Herz verschlossen. Dabei bleibt das Thema offen. Und die Gifte (Wut, Hass, Zorn,..) in einem der Körper.

Vielmehr bietet es die Chance sich selbst mehr kennen zu lernen. Die eigenen Muster, Prägungen zu durchschauen. Ehrlich mit sich selbst zu werden. Um dann authentisch zu reagieren. 🙂

If we have something to lose,
we will not succeed.
We will cling to that thing;
an opinion, a possession,
or our reputation.
Clinging,
we will be vulnerable.
Being vulnerable,
we will remain prisoners to power.

The way ahead is to work each day
then lay aside all thought
of praise or blame
or gain or loss,
and sleep in peace.

We will exhaust ourselves trying to please the multitude of voices clamoring for attention. Assigning praise or blame to everyone we see, we are playing by the rules of our oppressors, who use our fear of loss to keep us quiet, distracted and arguing among ourselves.

aus: The Activist’s Tao Te Ching: Ancient Advice for a Modern Revolution von William Martin