ROLLEN-SPIELE

Ja wir spielen alle Rollen. Die Rolle der Mutter. Die Rolle der Tochter. Die Rolle der Karrierefrau. Die der Hausfrau. Usw. – gilt natürlich genauso wie die Rollen die Männer so einnehmen (müssen).

Doch wenn wir das Glück haben, daran erinnert zu werden, dass wir eben nur Rollen spielen, diese Rollen NICHT SIND, dann können wir sie BEWUSST spielen bzw. BEWUSST aus jeder Rolle rausgehen, sobald sie ihr Ende erreicht hat. Wir können sitzen in Stille. Kehren heim. Auch wenn es nur einen kurzen Augenblick ist. Wir steigen kurzzeitig aus. Und wissen um unsere wahre Natur. Wir wissen und fühlen diese Weite, diese Unendlichkeit und auch Formlosigkeit. Selbst, wenn es – zumindest anfangs – nur für einen ganz, ganz kurzen Moment ist. Wir können diese Heimkehr allerdings auch kultivieren. Wir können immer wieder mal inne halten. Bewusst aus der gerade eben noch gespielten Rolle aussteigen. Für eine Hundertstelsekunde. Dann für 1 Minute. Usw.

Zuvor, bevor wir jedoch all dies erfahren können, gibt es Ablösungen. Ich nenne es Ablösung von jeglicher Anhaftung.

Von je her wurden wir so konditioniert ein Körper zu SEIN. Das ist so vorgesehen. Wir kommen zur Welt und erfahren uns als alles. Da gibt es keine Trennung. Keine Trennung zwischen Mutter und Neugeborenes. Keine Trennung zwischen Baby und seinem Bettchen. Wir kommen aus der Einheit. Und wir erfahren sie Anfangs auch noch so.

Doch dann – so mit 2-3 Jahren – erfahren wir immer mehr: Ich bin nicht meine Mutter. Ich bin nicht mein Spiegelbild. Ich bin nicht mein Bettchen. Da gibt es mich und da gibt es andere. Wir vergessen diesen Zustand der Einheit. Zumindest ist er nicht mehr in unserem Bewusstsein.

Hier beginnt bereits der Neti-Neti-Prozess. Ich bin nicht dies – ich bin nicht dies.

Wir erfahren somit eine Trennung. Auch das scheint von der Natur so vorgesehen. Doch irgendwann vergessen wir, diesen Neti-Neti-Prozess fortzuführen. Nämlich: Ich bin auch nicht dieser Körper.

Du kannst es ganz leicht überprüfen. Stelle dir vor, du hast Schmerzen. Rückenschmerzen zum Beispiel. Du erfährst: der Rücken schmerzt. Wenn da einerseites Rückenschmerz ist und andererseits etwas diesen Schmerz erfährst, kannst du nicht der Körper sein. Völlig logisch, oder? Dann gilt es weiter zu forschen. Also wenn ich nicht der Körper bin, wer/was bin ich denn dann? Und wie bin ich? Du „gehst“ so lange, bis keine Antworten mehr kommen. Bis du im Sein angelangt bist. Das bemerkst du daran, dass du dich plötzlich glücklich fühlst. Plötzlich ist das Stille. Plötzlich ist da Frieden. Keine Fragen mehr.

Und dann – ja dann kehrst du wieder zurück zu deinen Rollen. Spielst sie so gut du kannst. Immer wieder zwischendurch kehrst du bewusst heim. Ruhst in dir. Bis du immer mehr und immer öfter nur noch in dir selbst ruhst. Es ist wie: zuerst kommst du mal hier und da zu Besuch. Bis du dann schlussendlich ganz da einziehst.

Also wenn du bemerkst, dass du eine Rolle spielst. Spiele sie so gut du kannst. Und kehre immer mal wieder heim.

Kavitha – 2020