Von dem kleinen Jungen

… der sich nicht gehalten, gesehen, gefühlt,… fühlt und heute noch dagegen rebelliert.

Er sehnt sich danach, gehalten zu werden.
In jedem Moment gesehen zu werden.
Er wünscht sich ein Gegenüber,
das ihn versteht und dementsprechend handelt.

Er hat es damals nicht erfahren.
Zumindest nicht so wie er es gebraucht hätte.
Darum ist etwas in ihm immer noch nicht heil.
Ein bzw. viele Bedürfnisse noch nicht befriedigt.

Und die sucht er immer noch.
In einer Partnerin.
Oder in seinem Beruf.
Im Sport.

Er weiß es nicht, denn er denkt nicht mehr daran.
Hat es abgeschlossen.
Aber in ihm ist es immer noch.
Und es leitet und lenkt ihn – unbewusst.

Er sucht.
Und leidet.
Und findet nicht.

Das was er damals nicht bekommen hat,
versucht er – unbewusst – noch heute zu bekommen.
Und wundert sich über die Reaktion der anderen.
Die seine Bedürftigkeit so sehr fühlen.
Und er wundert sich über die Misserfolge in seinem Leben,
die nur daraus entstehen,
dass er seine wahren Bedürfnisse
und seine wahre Motivation gar nicht mehr erkennen kann.

Er kann keine echte Beziehung zu anderen aufbauen.
Er kann keine echte Partnerschaft eingehen.
Sobald es zu nahe wird,
wird sein altes, unerfülltes Bedürfnis getriggert,
und das noch mal zu fühlen macht verunsichert ihn.
Macht ihm Angst.
Zu groß war der Schmerz damals.

Er kann nicht mal eine echte Beziehung zu seinem Beruf aufbauen,
denn auch da stimmt es nicht mit den dahinterliegenden Motiven.
Was kann er tun?
Er erfährt lediglich eine Abfuhr nach der anderen in seinem Leben.
Kennt sich nicht aus.

Er weiß nicht mal was er vermisst,
wonach er sich sehnt.
So sehr ist es verdrängt.
So sehr zugeschüttet.
Doch es wird immer enger.
Immer drückender.

Und irgendwann bleibt ihm nichts anderes übrig,
als hinzuschauen.
Diesen Schmerz zu fühlen.
Den Schmerz nicht gesehen, gefühlt, gehalten,… worden zu sein.
Aber dann… wenn er da durch ist,
ist er bereit für die Liebe,
für eine Partnerschaft auf Augenhöhe
(und nicht mehr im Missverhältnis,
dass die Partnerin nur als Mutterersatz dient,
denn dazu stehen wir Frauen nicht mehr zur Verfügung!)

Dann ist alles möglich.

* In diesem Text wurde zwar über einen kleinen Jungen geschrieben, aber der existiert sowohl in Mann als auch in Frau 

Kavitha ~ 2018