BACK TO THE ROOTS

Im Jahre 2007 kam ich zu der Oneness-Bewegung aus Indien. Alles begann mit einem Anruf meiner Freundin, die mich zu einem Meditationsabend im „Platz an der Sonne“ in Baden einlud. Ihre Begeisterung war ansteckend, und als eine weitere Freundin anbot, mich zu begleiten, spürte ich, dass es von Bedeutung sein musste, dieser Einladung zu folgen. So fand ich mich in einem Raum mit etwa 30 Menschen wieder, völlig ahnungslos, was mich erwartete.

Auf einer roten Couch saßen zwei junge Männer, frisch zurückgekehrt aus Indien. Ihre Worte erreichten mich damals nicht wirklich, und ich verstand vermutlich kaum etwas von dem, was sie sagten. Dann sollte jeder Einzelne nach vorne treten, um eine Deeksha zu empfangen. Das Konzept, dass mir jemand Energie geben sollte, war mir suspekt. Welche Energie? Wollte ich das überhaupt? Entschlossen signalisierte ich, dass ich erst einmal nur zusehen wollte. Alle Blicke richteten sich auf mich, als wüssten sie genau, worum es ging, nur ich war im Dunkeln.

Wunderschöne, laute Musik erfüllte den Raum, und eine Person nach der anderen trat nach vorne, um den Segen zu empfangen. Ich beobachtete skeptisch. Doch allmählich zogen mich die Klänge und die spürbare Energie in ihren Bann. Schließlich hob mich ein sanfter Arm und führte mich nach vorne. Der Widerstand in mir schwand, und ich fand mich zu Füßen der beiden jungen Männer wieder. Mein Verstand rebellierte, doch die Energie, die ich spürte, war reine Liebe – so wie ich mir reine Liebe vorstellte. Perfekt zur Musik abgestimmt legten sie ihre Hände auf meinen Kopf.

Nach dieser intensiven Erfahrung legte ich mich ausgestreckt auf meinen Platz und ließ die Energie in mir wirken. Der Raum wurde stiller und stiller, zumindest nahm ich das so wahr, obwohl die Musik immer noch laut war. Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit, und eine tiefgreifende Erkenntnis durchdrang mich: Nichts in dieser Welt kann meinen innersten Kern zerstören. Es gibt etwas in mir, das unzerstörbar, unverletzbar, ganz und heil ist. Diese Einsicht berührte mich zutiefst, besonders in einer Zeit äußerer Schwierigkeiten.

Diese Nacht veränderte mich, als hätte eine Umprogrammierung in meinem Gehirn stattgefunden – ein Gedanke, der zunächst unheimlich klang, fast wie brainwashing. Doch im Laufe der folgenden sieben Jahre in der Oneness-Bewegung verstand ich, dass Transformation eben Veränderung bedeutet. Echte Veränderung. Denn Wachstum ist nur möglich, wenn Altes, Überholtes losgelassen und Neues zugelasswn wird.

In dieser Zeit stellte ich mir immer wieder die Frage: War ich in eine Sekte geraten? War das alles gut für mich? Die Angst etwas völlig Neues zu erfahren, war so groß. Ich prüfte es für mich ganz genau und kam zu dem Schluss, dass ich diese Transformation brauchte. Ich wollte wieder lieben. Mich wieder lebendig fühlen. Wir erlebten Momente höchster Energie, die uns ohne Drogen in ekstatische Zustände versetzten – pure Liebe, Freude, Lebendigkeit. Solch intensive Lebendigkeit hatte ich lange nicht gespürt.

Ich lernte, selbst Deeksha zu geben, mein Herz zu öffnen, Liebe in mir und um mich herum zu fühlen. Dankbarkeit, Vergebung und die Bedeutung einer guten Beziehung zu den eigenen Eltern wurden zentrale Themen. Aber ich begegnete ebenso meinen Unzulänglichkeiten und (Selbst)Verurteilungen. Meine Schatten wurden sichtbarer und lauter, sowohl für mich als auch für andere. Es war eine herausfordernde, aber zutiefst transformierende Zeit. Wo viel Licht, da auch viel Schatten, heißt es ja so schön.

Das Geben von Deeksha war für mich stets bewegend und erhebend. Diese sanfte Berührung auf dem Kopf eines anderen, die Vibrationen, die sich ausbreiteten, das Herz und die Hände, die vor Wärme glühten – all das war reine Liebe, frei von jeglicher Verurteilung. Jeder Mensch, der vor mir saß, war gleich-wertig und gleich-würdig. Diese besondere Verbundenheit zu den Menschen von damals spüre ich noch heute.

Im Jahr 2014 führte eine Spaltung an der Spitze der Bewegung dazu, dass ich, wie viele andere, ausstieg.

Doch die Sehnsucht, Deeksha zu geben, hat mich nie verlassen.

Kavitha – 2024

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