Die Angst vor dem Erwachen

Spiritualität klingt nach Frieden, nach Ankommen – doch der Weg dorthin kann das Gegenteil sein. Denn Erwachen ist kein sanfter Übergang. Es ist ein Sterben. Ein Sterben der alten Selbstbilder, der vertrauten Welt, der Geschichten, die wir über uns und das Leben erzählt haben. Und genau das macht Angst.

Was, wenn sich mein Leben radikal verändert und ich es nicht mehr kontrollieren kann?
Was, wenn ich meine gewohnte Identität verliere und nicht mehr weiß, wer ich bin?
Was, wenn ich so tief sehe, dass ich nicht mehr zurück in meine alte Realität kann?

Diese Angst ist existenziell, weil sie tief in unser Ego greift. Sie konfrontiert uns mit dem, was wir vermeiden wollten. Sie zwingt uns hinzusehen. Doch genau hier liegt die Magie: Hinter dieser Angst wartet die größte Freiheit.

Wenn Veränderung unausweichlich wird

Ich erinnere mich an einen Punkt, an dem ich nicht mehr zurück konnte. Die Illusion der Sicherheit war zerbrochen, und weiterzumachen war die einzige Option. Doch kurz davor war es, als würde ich im Feuer stehen – kein Entkommen, kein Halt, nur pure Konfrontation mit der eigenen Angst. Es war der Moment, in dem ich begriff, dass Stillstand nicht sicher war, sondern das Bedrohlichste überhaupt.

Oft fürchten wir Veränderung, weil wir Kontrolle abgeben müssen. Doch was passiert, wenn wir versuchen, uns festzuhalten? Wir erstarren. Und diese Starre kann sich bedrohlicher anfühlen als jeder Sturz ins Unbekannte. Der eigentliche Sprung, der eigentliche Kontrollverlust, ist oft nicht das Schlimmste – es ist das Davor, das Hadern, das Festklammern an einer Identität, die längst überholt ist.

Neugeburt durch das Feuer

Vielleicht ist Erwachen genau das: eine Geburt. Ein Prozess, der uns durch tiefste Enge führt, durch ein Gefühl des Erstickens, der Orientierungslosigkeit – bis wir plötzlich in eine neue Welt hinaustreten.

Wir kennen dieses Muster aus unserem Leben. Jedes Wachstum, jede tiefgehende Veränderung folgt dieser Dynamik:
* Erst kommt das Unbehagen – der Druck, der Wunsch nach mehr, das Gefühl, dass etwas nicht mehr stimmt.
* Dann der Widerstand – die Angst, das Hadern, das Verweigern des nächsten Schrittes.
* Schließlich der Punkt ohne Rückkehr – das Loslassen, der Zusammenbruch, der Sprung ins Unbekannte.
* Und dann: das Neue. Die Erkenntnis, dass es leichter ist als gedacht. Dass die Angst nur eine Illusion war. Dass das Leben sich aus sich selbst heraus entfaltet.

Der Tipping Point des Bewusstseins

Was, wenn immer mehr Menschen diesen Prozess durchlaufen? Was, wenn Erwachen nicht mehr die Ausnahme ist, sondern die natürliche Richtung unseres Bewusstseins? Vielleicht gibt es so etwas wie einen kollektiven Tipping Point – einen Moment, in dem genug Menschen erwacht sind, sodass die nächsten es leichter haben.

Vielleicht müssen Kinder irgendwann gar nicht mehr so tief in die Trennung eintauchen. Vielleicht wird die Erfahrung des Getrenntseins nicht mehr so absolut sein. Vielleicht wächst eine Generation heran, die sich von Anfang an erinnert, dass sie immer verbunden war.

Fazit: Durch die Angst hindurch in die Freiheit

Angst vor Veränderung ist menschlich. Sie ist unser Schutzmechanismus, unser Versuch, das Bekannte zu bewahren. Doch das Leben bewegt sich immer weiter. Und je mehr wir versuchen, uns festzuhalten, desto mehr leiden wir. Der Schlüssel liegt nicht darin, die Angst zu vermeiden – sondern sie zu durchqueren.

Denn auf der anderen Seite liegt das, wonach wir uns sehnen: Leichtigkeit, Freiheit, das tiefe Wissen, dass wir nie wirklich getrennt waren.

Und vielleicht, wenn wir diesen Weg gehen, wird es für die nächsten leichter. Vielleicht ist das unser Geschenk an die Welt. ✨

Bist du bereit für Veränderung?

Kavitha – 2025

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